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Neben der Sicht von unten bietet auch ein hoher Kamerastandpunkt interessante Ausblicke und Motive. Der Blick von oben herab wird, wird als Obersicht oder Vogelperspektive bezeichnet. Diese Perspektive ist nicht nur für Übersichtsaufnahmen geeignet, darüber hinaus bietet sie zahlreiche Möglichkeiten der Bildgestaltung.

Manhattan vom Empire State Building
Vogelperspektive - Manhattan vom Empire State Building


Begriffsklärung: Obersicht / Vogelperspektive

Eine Kameraperspektive oberhalb der „normalen“ Augenhöhe, wird als Obersicht (engl. High-Angle-Shot) bezeichnet. Meist wird die Kamera dabei nach unten gerichtet. Hierbei befindet sich die Horizontlinie im Foto oberhalb der Bildmitte, nicht selten außerhalb des Bildausschnitts. Wird die Kamera stark nach unten geneigt wird auch der Ausdruck „Vogelperspektive“ als eine Variante der Obersicht verwendet. Eine klare Definition, ab welchem Neigungswinkel von einer Vogelperspektive gesprochen wird, existiert nicht. Vielfach werden die Begriffe Obersicht und Vogelperspektive als Synonyme gebraucht.


Wirkung

Durch Obersicht (Vogelperspektive) wirken viele Objekte kleiner z. T. auch gestaucht. Wie die Untersicht kann auch die Vogelperspektive genutzt werden, um beim Betrachter gezielt Emotionen auszulösen. Besonders deutlich wird dies bei Porträtaufnahmen. Bei Porträts suggeriert der Blick von oben Unterlegenheit, Unterwürfigkeit, Rückzug... Die porträtierte Person wirkt gestaucht und kleiner als real. Viele Fotos von Kindern werden unbewusst aus der Vogelperspektive aufgenommen. Dabei wird der Kopf überdimensional groß abgebildet, während der Rest des Körpers unnatürlich klein und gestaucht wirkt (siehe Foto unten). Dieser Effekt (perspektivische Verzerrung) tritt verstärkt bei der Verwendung von Weitwinkelobjektiven auf, wenn aus kurzer Distanz fotografiert wird und die Kamera stark nach unten geneigt wird.

Kind aus der Obersicht – Überdimensional großer Kopf
Kind aus der Obersicht – Überdimensional großer Kopf

 

Meist wird die Vogelperspektive für Übersichtaufnahmen genutzt: z. B. wenn von Kirchtürmen und Hochhäusern die darunter liegenden Gebäude und Straßen fotografiert werden. Fahrzeuge und Objekte wirken dabei wie Spielzeug. Der Miniatureffekt vieler Kameras oder eine Unschärfemaske bei der Bildbearbeitung kann diesen Effekt noch steigern. Fotos von oben offenbaren Strukturen von Landschaften oder Städten, die sonst nicht sichtbar sind. Ein oft unterschätzter Aspekt ist der Sonnenstand. Flaches Licht kann Oberflächenstrukturen hervorheben, kann aber auch wesentliche Bildbestandteile in Schatten tauchen.

In Verbindung mit Weitwinkelobjektiven und Motivteilen, die nah bei der Kamera sind, kann es auch bei der Obersicht, zur starken perspektivischen Verzerrung kommen: Nahes wirkt groß und Entferntes wirkt klein. Dies kann gezielt für die Bildgestaltung genutzt werden. Durch eine starke Neigung der Kamera nach unten und der Verwendung von sehr kurzen Brennweiten (Ultraweitwinkelobjektive) kann die perspektivische Verzerrung auch bis ins Extrem gesteigert werden.

Durch die Neigung der Kamera bei der Vogelperspektive liegt der Fluchtpunkt der Aufnahme unterhalb des Horizonts. Wir die Kamera stark nach unten geneigt, verschwindet der Horizont aus dem Bild. Dadurch können störende Elemente am Horizont außerhalb des Fotos platziert werden.

Oft wirken Aufnahmen aus der Vogelperspektive flach, wenn z. B. aus großer Höhe ohne Vordergrund fotografiert wird. Umso mehr, sollte daher auf die Bildgestaltung geachtet werden. Tipp: Welcher besonders interessante Motivbestandteil fällt Ihnen auf?  Nutzen Sie diesen Blickfang und positionieren Sie diesen bewusst im Bild, z. B. mit Hilfe des goldenen Schnitts oder der Drittelregel.


Technische Umsetzung / Hilfsmittel

Bei Aufnahmen aus der Vogelperspektive stellt oftmals der Aussichtspunkt eine besondere Herausforderung dar. Je nachdem ob Flugzeug, Ballon, Gebäude, Bäume, Hochhaus, Kirchturm … als Aussichtsplattform genutzt werden, muss der Fotograf sich auf verschiedenste Hürden wie Aufstieg oder Sicherungstechniken gefasst machen. Bei leicht zugänglichen Aussichtspunkten steht einer photographischen Umsetzung hingegen wenig im Weg. Klassisch wäre z. B. der Blick von einem Hochhaus oder Kirchturm. Bei Aufnahmen von Hochhäusern herab, sei erwähnt, dass Langzeitaufnahmen vom Stativ problematisch sein können. Diese Gebäude schwanken im Wind. Auch wenn man diese Schwankbewegungen nicht merkt, können diese so stark sein, dass die Aufnahmen trotz Stativ unscharf (verwackelt) werden.

Trotz Stativ unscharf – Vom World Trade Center - 2001
Trotz Stativ unscharf – Vom World Trade Center - 2001

 

Je nachdem welcher Bildausschnitt gewählt werden soll, können verschiedene Brennweiten (Tele- und Weitwinkel) hilfreich sein. Mit dem Teleobjektiv können besonders interessante Strukturen und Objekte isoliert werden. Mit Weitwinkelobjektiven kann hingegen sehr gut die tolle Aussicht als Überblick eingefangen werden.


Bildbeispiele – Funkturm Berlin

Vogelperspektive - Berliner Funkturm
Vogelperspektive - Berliner Funkturm

 

Vogelperspektive - Berliner Funkturm
Vogelperspektive - Berliner Funkturm

 

Vogelperspektive - Berliner Funkturm - Schatten und Streiflicht
Vogelperspektive – Schatten und Streiflicht

 

Vogelperspektive - Berliner Funkturm
Vogelperspektive - Berliner Funkturm

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