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Die Perspektive hat einen wesentlichen Einfluss auf ein Foto. Bei der Untersicht bzw. der Froschperspektive werden die Aufnahmen von einem niedrigen Kamerastandort aus aufgenommen. Viele Motive, die aus Augenhöhe recht bekannt und wenig spannend wirken, bekommen dadurch eine interessante, oftmals überraschende Wirkung.

Begriffsklärung: Untersicht / Froschperspektive
Eine Kameraperspektive unterhalb der „normalen“ Augenhöhe, wird als Untersicht (engl. Low Angle) bezeichnet. Meist wird die Kamera dabei nach oben gerichtet. Hierbei befindet sich die Horizontlinie im Foto deutlich unterhalb der Bildmitte, nicht selten unterhalb der Bildunterkante und somit außerhalb des Bildausschnitts. Wird die Kamera stark nach oben geneigt wird häufig der Ausdruck „Froschperspektive“ als eine extreme Variante der Untersicht verwendet. Eine klare Definition, ab welchem Neigungswinkel von einer Froschperspektive gesprochen wird, existiert nicht. Vielfach werden diese Begriffe auch als Synonyme gebraucht.

Wirkung
Durch Untersicht und Froschperspektive wirken viele Objekte grösser. Dieser Effekt kann bewusst für die Bildgestaltung eingesetzt werden, z. B. um Dominanz und Macht darzustellen. Es gibt zahlreiche Fotos von Politikern und Managern, die von unten aufgenommen wurden. Je nach Motiv kann eine nahezu bedrohliche Wirkung erzielt werden.

Die Wirkung der Untersicht wird durch die Verwendung von kurzen Brennweiten (Weitwinkel-Objektive) verstärkt. Durch eine starke Neigung der Kamera nach oben und der Verwendung von sehr kurzen Brennweiten (Ultraweitwinkelobjektive) kann die Bildwirkung auch bis zur Karikatur gesteigert werden.

Technische Umsetzung / Hilfsmittel
Grundsätzlich braucht es keine spezielle Ausrüstung, um gelungene Aufnahmen aus der Untersicht aufzunehmen. Bei großen (hohen) Motiven reicht es, die Kamera nach oben zu richten. Bei kleinen (niedrigen) Motiven muss sich der Fotograf schon mal in die Hocke begeben oder auf den Boden legen. Damit diese Aufnahmen leichter gelingen stehen dem Fotografen verschiedene Ausrüstungselemente zur Verfügung. Sehr angenehm ist ein schwenkbares Display mit Live-View-Funktion. Damit kann der Fotograf ohne große Mühe Aufnahmen aus niedriger Position aufnehmen und gleichzeitig den Bildausschnitt beurteilen. Für Spiegelreflexkameras ohne schwenkbare Displays sind Winkelsucher eine tolle Möglichkeit, um das Fotografieren aus tiefer Position zu vereinfachen. Für bequeme Fotografen, die nicht über die genannte Ausrüstung verfügen, sei noch die Möglichkeit Blindflug genannt. Dabei wird die Kamera, ohne dass der Sucher oder das Display verwendet wird, auf das Motiv gerichtet und im Serienbildmodus etwas bewegt. Dabei hat der Fotograf weder auf Bildausschnitt noch auf den Fokus volle Kontrolle. Doch mit etwas Glück ist eine interessante Aufnahme dabei.

Wird die Kamera Richtung Himmel geneigt, kann es durch starke Kontrastunterschiede zu Belichtungsproblemen kommen. Dem kann man mit Aufhellern oder Blitzlicht begegnen. Achtung im Nahbereich wird der eingebaute Blitz oft durch das Objektiv abgeschattet.

Für die Froschperspektive werden oft Weitwinkel verwendet. Neben der perspektivischen Wirkung  verfügen diese Brennweiten über eine relativ große Schärfentiefe bereits bei kleinen Blendenwerten. Bei großen Blendenwerten kann oftmals der gesamte Vorder- und Hintergrund scharf abgebildet werden.

Das folgende Foto wurde mit einer Kompaktkamera aufgenommen. Bei der Aufnahme stand die Kamera direkt auf dem Boden, zusätzlich wurde der Selbstauslöser genutzt, um Verwacklungen zu vermeiden. Die Schärfentiefe ist durch die Verwendung einer Kompaktkamera mit einem relativ kleinen Sensor im Vergleich zu einer Kamera mit größerem Sensor (z. B. Spiegelreflex) relativ groß. Der Horizont liegt etwa in der Mitte der Aufnahme. Dies ist ein Hinweis, dass die Kamera bei der Aufnahme nicht nach oben geneigt wurde
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Untersicht - Herbstlaub – Regensburg

 

In der folgenden Aufnahme wurde der tiefe Kamerastandort eingenommen, um das trockene Gras als Vordergrund zu nutzen. Die Kamera wurde bei der Aufnahme leicht nach oben geneigt, der unterhalb der Bildmitte liegende Horizont ist ein Hinweis darauf.
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Bei dieser Aufnahme befindet sich die Kamera auf Höhe der Gräser. Die Pflanzen, die sich zwischen dem Schmetterling und der Kamera befinden werden aufgrund der gewählten Blenden-Brennweiten-Kombination unscharf  dargestellt. Hierdurch entsteht Tiefe im Bild. Der Betrachter scheint mitten in der Wiese zu sein.

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Diese Aufnahme wurde aus der Hocke aufgenommen. Die Kamera wurde dabei nicht geneigt. Die Untesicht schafft eine nicht alltägliche Perspektive. Bei dieser Aufnahme wurde zudem Bewegungsunschärfe als gestalterisches Mittel eingesetzt (Belichtungszeit 1/15 Sekunden).

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Das folgende Bild zeigt, wie stark sich der Hintergrund durch eine niedrige Perspektive ändert. Die Wolken schaffen einen Rahmen. Gleichzeitig strebt der Baum den Wolken entgegen. Der Fluchtpunkt liegt oberhalb des Horizonts. Durch die starke Neigung der Kamera liegt der Horizont außerhalb des Bildes. Dadurch können störende Objekte aus dem Bildbereich genommen werden (z. B. Stromleitungen am Horizont, Windräder …).

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Laufsteg, kann zu unerwünschten perspektivischen Verzerrungen führen. Die Füße werden im Vergleich zum restlichen Körper überproportional groß dargestellt.

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Froschperspektive – Model auf Laufsteg

 

Hochhäuser sind ein klassisches Motiv für die Froschperspektive. Aufnahmen dieser Art hat wohl schon jeder aus New York oder anderen Metropolen gesehen. Dieses Foto wurde stehend aufgenommen. Eine liegende oder kniende Position des Fotografen hätte aufgrund der Höhe des Gebäudes keinen Einfluss auf die Aufnahme. Die Neigung der Kamera von unten nach oben bewirkt, dass vertikale Linien nach oben hin zusammen laufen. Man spricht dabei von stürzenden (konvergierenden) Linien.

bild 176
Froschperspektive – Hochhaus und Weltkugel - New York

 

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Froschperspektive – World Trade Center - New York

 

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Froschperspektive – Blaue Stunde – Grossmünster - Zürich

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